Über die neurotischen Ängste des "Psycho Politico" im postfaktischen Zeitalter – und ihre Konsequenzen

Wer gut lügt, gewinnt. Und wer besser lügt, kommt sogar richtig ehrlich rüber. Hauptsache unsere Ängste werden bestätigt, von wem auch immer. So braucht der moderne Wahlkampf die Realität nicht mehr. Seine Debatten finden in Scheinrealitäten, mit scheinbaren Argumenten statt. Verdrehen, verschieben und lavieren: das ist der Dreiklang moderner Mehrheitsbildung.  Ausgehend von seiner These, dass wir primär von Ängsten bestimmt sind, zeichnet Roman Maria Koidl anlässlich der Bundestagswahl 2017 ein fundiertes Bild unserer gegenwärtigen Gesellschaft.

Obwohl es Deutschland und seinen Bürgern so gut geht wie nie zuvor, führt difuse Furcht zu immer irrationalerem Verhalten. Roman Maria Koidl seziert diese Ängste und ihre Funktionsweise – und benennt die Akteure, die sie schüren und von ihnen proftieren. Der Einzelne weist seine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft von sich, projiziert seinen Frust auf die Repräsentanten des Staates. So finden diejenigen Gehör, die den Unmut des Wutbürgers für sich zu nutzen wissen, die eine vermeintliche Alternative bieten. Koidls Essay ist keine Wutrede, sondern fundierte Analyse einer Gesellschaft die mit dem „Psycho Politico“ gern hysterische Figuren wählt – kurzweilig, spannend, aufschlussreich.

Ab 18. Juli 2017 im Buchhandel